Was Ende der 90er Jahre als „utopisch“ abgetan wurde, wird nun Wirklichkeit: Am 1. Mai 2026 soll nach fast drei Jahrzehnten politischer Überzeugungsarbeit der erste Zug am Haltepunkt Neermoor halten.
Für die Grünen in Moormerland ist dies nicht nur ein verkehrspolitischer Erfolg, sondern das Ergebnis unermüdlicher Hartnäckigkeit gegen anfängliche Widerstände.

Vom abgelehnten Antrag zum Koalitionsvertrag:
Die Geschichte des Haltepunktes ist eng mit dem Engagement der grünen Ratsfrau Christel Röben und Meta Janssen-Kucz, ehemaliges Mitglied der Grünen-Landtagsfraktion, verbunden. Ihr Antrag 1999, die Bahnhöfe Neermoor und Oldersum zu reaktivieren, stieß bei der damaligen Ratsmehrheit noch auf Skepsis – zu teuer, zu visionär. Der Antrag der Grünen, selbst aktiv zu werden, wurde abgelehnt, man delegierte an den Landkreis. Die Zeit ging ins Land. Während Gelder der Landesregierung in Prestigeprojekte wie die EXPO in Hannover flossen, verwahrloste weiter die Infrastruktur im ländlichen Raum.
„Wir haben die Mobilitätsgarantie für unsere Region immer als zentrales Versprechen verstanden“, so die Beteiligten rückblickend. Der Wendepunkt kam 2001 mit einem gemeinsamen Antrag des Gemeinderates, gefolgt vom entscheidenden Durchbruch während der grünen Regierungsbeteiligung (2013–2017). Meta Janssen-Kucz verhandelte den Haltepunkt Neermoor neben Bunde und Ihrhove mit in die Koalitionsvereinbarungen und lenkte damit mehr Aufmerksamkeit auf die Mobilität im ländlichen Raum und in der Region.
Ein Meilenstein für die Region:
Nach erfolgter Wirtschaftlichkeitsprüfung und jahrzehntelanger Planung ist es nun 2026 so weit. Der Haltepunkt bietet immense Chancen für die Zukunft. Die verbesserte Anbindung an Leer, Emden, die Küste
sowie das Emsland und NRW wird das Pendeln und Reisen grundlegend verändern.
Zudem bietet die neue Anbindung den Bürger*innen ein Sparpotenzial, insbesondere angesichts der zuletzt stark gestiegenen Spritpreise, und eröffnet zugleich neue Möglichkeiten, im Alltag häufiger auf das Auto zu verzichten.
Der Haltepunkt Neermoor ist ein Erfolg, aber damit ist es noch nicht getan.
Neermoor weiter beleben:
Mareike Nolting aus dem Ortsrat Neermoor betont: „Der Bahnhaltepunkt ist ein toller Gewinn für das Dorf.” Nun sei die Politik gefragt, die Entwicklung im Ort weiter voranzutreiben. Man sei bereits auf einem guten Weg, müsse jetzt aber weiter gemeinsam dran bleiben. “ Dazu gehören die Erschließung neuer Baugebiete und die Förderung der lokalen Wirtschaft sowie die Vernetzung des ÖPNV gemeinde- und kreisweit“, sagt sie mit Blick auf die Dorfentwicklung. So werde das Dorf auch für den Einzelhandel und die Gastronomie als Standort an Attraktivität gewinnen.

Neermoor mit seinem vielfältigen Vereinsleben und dem guten Bildungs- und Betreuungsangebot, dem Badesee und den schönen Spazierwegen sei ein familienfreundlicher Ort. Auch im Tourismus gebe es ein großes Potenzial: „Mit dem Bahnhaltepunkt kann Moormerland sich als attraktives Ziel als ostfriesische Binnenlandgemeinde mit direktem Bahnanschluss hervorragend positionieren.“